Spare am Anfang des Monats – ist das wirklich ein guter Tipp?

Ich persönlich finde es toll, dass in einigen Bankennewsletter inzwischen neben den unvermeidlichen „Kauf mich“-Artikeln auch Beiträge zum richtigen finanziellen Verhalten zu finden sind. So werden hoffentlich auch Leute erreicht, die nicht gezielt nach solchen Informationen – ob im Internet oder im Buchladen – suchen.

Allerdings bin ich mir bei so einigen Vorschlägen nicht sicher, ob diese jemals ernsthaft getestet wurden oder ob es sich nicht doch nur um moderne Mythen handelt, die einer vom anderen abschreibt.

Ein solcher Tipp, den ich eher skeptisch betrachte, ist die immer wieder gerne wiederholte Aussage: Spare am Anfang des Monats. Die Theorie dahinter klingt einleuchtend: Was gleich zu Monatsbeginn vom Konto abgeht, kann auch nicht ausgegeben werden. Wer sich nur vornehme, das zu sparen, „was übrig bleibt“, spare meistens weniger oder gar nichts, heißt es. Und zwar, weil er sich reicher fühle, als er tatsächlich ist, und deswegen zu viel Geld ausgebe.

Zum einen scheint mir der entscheidende Unterschied zwischen diesen beiden immer wieder angeführten Situationen zu sein, dass im ersteren Fall die Sparrate einen festen Betrag aufweist und im letzteren Fall nicht. Ich vermute, dass eine feste Sparrate auch am 15. eines Monats abgehen kann, ohne dass der Sparende jedes Mal völlig erstaunt ob dieser unerwarteten Ausgabe ins Minus gerät.

Zum anderen kann es sehr wohl funktionieren, das zu sparen, was am Ende des Monats übrig bleibt, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Da ich selbständig bin, habe ich kein festes Einkommen, sondern meine Einnahmen variieren jeden Monat. Deswegen arbeite mit einem festen Ausgabenbudget. Nehme ich mehr ein, als ich ausgebe, kommt der Rest am Monatsanfang auf das Sparkonto. Falle ich mal ins Minus falle, weil sich zum Beispiel Zahlungen verzögern, nehme ich Geld vom Sparkonto.

Inzwischen habe ich eine erkleckliche Summe auf diesem Konto stehen.

Nun bin ich vielleicht als Selbständige ein Sonderfall, dennoch wage ich zu behaupten: Es ist wahrscheinlich völlig egal, wann das zu sparende Geld vom Konto abgezogen wird. Wichtig ist nur, dass man weniger ausgibt, als man einnimmt, also Geld zum Sparen da ist. Da die Menschen unterschiedlich sind, managen sie auch ihr Geld unterschiedlich. Und je nachdem, wie die eigene Situation aussieht, ist immer ein anderer Zeitpunkt der „richtige“, um die Sparrate zu überweisen.

Mein Tipp: Erst einmal Gedanken machen, wie man das Geld für die Sparrate zusammenbekommen will, dann ergibt sich meist von selbst, wann das Geld sinnvollerweise auf das Sparkonto fließt.

Lohnt sich das Sparen heutzutage noch?

Als ich mir im letzten Jahr die Zinsen für mein Tagesgeldkonto anschaute, war ich enttäuscht. Die Inflation war höher als der Zinssatz und das Gesparte verlor so Tag für Tag an Wert. Es blieb mir nur die ernüchternde Erkenntnis, dass ich heute mein Geld zurücklege, um mir morgen weniger dafür kaufen zu können. Wäre es nicht besser, weniger zu sparen und stattdessen mein Geld gleich auszugeben?

Wer nur den Zinssatz betrachtet, muss darauf wohl mit „Ja“ antworten. Aber es gibt viele Gründe, warum ich auch in Zeiten niedriger Zinsen sparen werde:

  • Aufbau einer Rücklage für Notfälle
    Eine Rücklage für Notfälle ist eine Art Versicherung für finanzielle Notfälle. Statt Prämien zahlt man für sie in Form der Geldentwertung (oder entgangener Zinsen). Deswegen sollte diese Rücklage auch nie zu hoch sein, sie ist jedoch meiner Meinung nach genauso wichtig wie eine Haftpflichtversicherung.
  • Sparen für größere Wünsche
    Nur wer regelmäßig etwas zurücklegt, kann sich auch einmal Dinge leisten, die vom monatlichen Einkommen nicht drin wären. Ich bin da sicherlich als Freiberufler sehr konservativ, da Ratenzahlung sich aus rein finanzieller Sicht heutzutage lohnen können. Trotzdem habe ich lieber das Geld auf dem Konto, da Aufträge und Geldeingänge bei mir nicht so gut planbar sind. Meiner Meinung nach sollten auch Arbeitnehmer hier eher konservativ planen, da das Schicksal manchmal ganz schnell alle schönen Planungen wertlos werden lassen kann und man dann froh ist, je weniger finanzielle Verpflichtungen man hat.
  • Aufbau von Eigenkapital für einen größeren Kredit
    Für viele Projekte (Immobilienkauf, Firmengründung etc.) braucht man einen Kredit von einer Bank. Um diesen zu bekommen, muss man kreditwürdig sein und einen gewissen Anteil Eigenkapital zu dem Projekt beisteuern. Dieser muss angespart und das Ersparte sicher und so angelegt werden, dass es zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme verfügbar ist.
  • Sparen, um genügend Kapital für eine Anlagestrategie aufzubauen
    Solange man nur kleine Summen zur Verfügung hat, lohnt es sich zumeist nicht, nach besseren Anlagemöglichkeiten für sein Kapital zu suchen. Aber wer einmal seine Rücklage für Notfälle aufgebaut hat, dem steht meistens auch genügend Kapital zur Verfügung, um sich ernsthaft nach besseren Anlagemöglichkeiten umzuschauen. Aber dafür muss man erst einmal die „Durststrecke“ überstehen, während der man sein Kapital real (also unter Berücksichtigung der Inflation) gesehen nicht vermehrt. Oder anders ausgedrückt: Vermögen aufbauen kann nur, wer Geld zurücklegt.

Wichtig ist nur, immer nur den Teil sofort verfügbar anzulegen, den man auch schnell brauchen könnte und für den Rest höher verzinste Produkte zu suchen oder ihn riskantere Anlagen wie Aktien anzulegen.

Gebrauchtes übernehmen und Geld sparen

Vor kurzem erst wurde ich von meiner Schwester darauf aufmerksam gemacht, dass ich ja auch gerne alte Dinge sammele und sie dann aufmöbele, bis sie wieder in neuem Glanz erstrahlen. Ich widersprach, da ich meine Freizeit sicherlich nicht auf Flohmärkten, Garagenmärkten oder beim Antiquitätenhändler verbringe. Und verstummte gleich darauf, da ich mich in unserem Wohnzimmer umsah und tatsächlich dort nur wenig neu Gekauftes fand.

Und doch lag meine Schwester nicht richtig. Ich suche nicht gezielt nach vernachlässigten Sachen, denen ich mit viel Liebe und handwerklichen Fähigkeiten wieder zu altem Glanz verhelfe. Sondern fast alles in unserer Wohnung ist “geerbt” in dem Sinne, dass jemand genau diese Dinge nicht mehr brauchen konnte. Und da sie schön waren, wollte derjenige sie nicht einfach auf den Müll werfen, sondern sie in “gute Hände abgeben”. Weil sie uns gefielen und wir sie brauchen konnten, landeten sie dann bei uns.

So ist in unserem Haushalt vieles gebraucht über Freunde und Verwandte zu uns gekommen – Möbel, Kleidung, Bücher. Erst im Gespräch mit meiner Schwester ist mir bewusst geworden, das es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt. Wohl die Hälfte unseres Besitzes stammt aus unserem Verwandten- und Familienkreis.

Dadurch haben wir viel Geld gespart. Zum Beispiel benutzen wir den antiquarischen Mahagonitisch meiner Urgroßtante. Mit passsenden Tischdecken und Stühlen von meiner Mutter an uns weitergegeben. Ausgaben: null, da wir diese Möbel in der alten Wohnung meiner Eltern vorfanden, als wir diese eine Zeitlang übernommen haben.

Für Bücher, Kleidung und Möbel herrscht in unserem Freundes- und Verwandtenkreis ein reger Tauschkreislauf. Regelmäßig wird ausgemistet und dann darf jeder zugreifen, wenn ihm etwas gefällt. Der Rest wird gespendet, verkauft oder entsorgt.

Die Vorteile dieser Regelung? Derjenige, der ausmistet, weiß, dass seine Sachen noch von jemandem geschätzt werden. Derjenige, der annimmt, erhält Dinge in gut erhaltenem Zustand, die ihn so gut wie nichts kosten.

Was ist wichtig, damit man nicht als Sperrmüllstelle missbraucht wird? Zum einen sollte man nichts annehmen, dass einem nicht gefällt und das nicht in einem guten Zustand ist. Wichtig ist auch die Kombination der “Erbstücke” mit anderen Sachen, die man neu gekauft hat und die stark den eigenen Stil widerspiegeln. Diese eigenen Sachen sind die Verbindungsstücke und sorgen dafür, dass die eigene Wohnung und der eigene Schrank nicht zu einem Sammelsurium wird. Und zu guter Letzt sollte man auch immer mal wieder was zum Tauschen beisteuern. Ansonsten fühlt man sich irgendwann als Almosenempfänger.

Wenn aber das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen gewahrt wird, sparen alle Teilnehmer an solchen informellen Tauschzirkeln Geld, tun etwas für die Umwelt und füllen ihr Heim, ihren Kleider- und Bücherschrank mit Dingen mit Charakter. Ein Beispiel dafür, dass sinnvolles finanzielles Verhalten nicht nur gut für die Finanzen sein muss.

Geschrieben von: Jule

Buchbesprechung: Sichere Geldanlagen

Das Buch von Gerald Pilz segelt aus meiner Sicht unter falscher Flagge. Denn es behandelt bei weitem nicht nur die Geldanlagen, die man im Allgemeinen als “sicher” bezeichnet. Sondern es wird eine Übersicht über die Sicherheit fast aller Investments gegeben, in die man investieren kann.

Dazu gehören neben bekannten Anlagen wie Festgelder, Staatsanleihen oder Aktien auch die hochspekulativen Investments in Kunst, Briefmarken oder Uhren. Jeder dieser und noch einer Menge weiterer Anlagemöglichkeiten wird ein Kapitel gewidmet, in dem erklärt wird, wie man in diese Werte investieren kann, nach welchen Spielregeln sich der Marktpreis ergibt und wie riskant eine Investition ist.

All dies wird so beschrieben, dass es auch für den Laien verständlich ist, der nicht in der Welt der Indizes zuhause ist und sich erst einmal unabhängig informieren will, bevor in den Sprung in die ein oder andere Anlage wagt. Ausreichend für diesen Sprung sind die Informationen nicht, aber nach dem Lesen des Buches wird die weitere Informationssuche wesentlich gezielter ablaufen und man wird den Versprechen manches Anlageverkäufers wohl nicht mehr so leicht auf den Leim gehen.

Das Buch ist 2010 erschienen, leider sind deswegen bereits einige Informationen veraltet, unter anderem deswegen, weil die Finanzagentur gerade erst angekündigt hat, Ende des Jahres die kostenlose Verwaltung von Bundeswertpapieren in ihren Depots einzustellen genauso wie das Ende des Bundesschatzbriefes.

Trotzdem habe ich beim Lesen des Büchleins (mit etwas mehr als 200 Seiten) noch etwas dazugelernt, es hat mir sogar Spaß gemacht, mal ein Auge auf die etwas abseitigeren Investitionsmöglichkeiten zu werfen. Mit einem bisschen Spaß beim Lesen und dazu leicht verständlichen Informationen nimmt das Buch dem Thema Geldanlage ein wenig den Schrecken, ohne ins Seichte abzudriften, und ist deswegen meiner Meinung nach besonders geeignet für denjenigen, der Übersicht sucht, ohne ein Studium der Finanzmathematik anzustreben.

Die mir vorliegende Ausgabe
Gerald Pilz: Sichere Geldanlagen. 2010; Beck Wirtschaftsberater im dtv.